Das solltest du tun, wenn dein Kind dir auf der Nase herumtanzt

Ich sehe ihn vor mir stehen, diesen kleinen Mensch, wie sein Gesicht sekündlich ein wenig dunkler anläuft. Seine Augen werden kleiner, sein Blick ist auf mich geheftet. „Kann er es mir mitteilen, was ihn bewegt?“ frage ich mich und sehe ihn dabei aufmerksam an, als er sein kleines Füßchen hebt. „Magst du deinen Schuh nicht?“ frage ich ihn und er schüttelt vehement den Kopf. Du schaust uns zu, bist gerade zu uns gekommen, um mit dem Kind zu spielen: „Ist doch egal jetzt, ich mach das schon! Wir gehen erstmal los, dann gewöhnt er sich schon an die Schuhe“ sagst du zu mir und willst übernehmen.Dir geht es nicht schnell genug, nicht reibungslos genug. Du glaubst, dass du Reibung vermeidest, wenn du sie verhinderst. Doch die Reibung ist da, in dem Kind. Direkt vor uns. Hier. Ich kann verstehen, wie du denkst, warum du so denkst. Systeme müssen laufen, tack, tack, tack. Wenn einer nicht schnell weiter kommt, übernimmt der andere. So sind die Regeln.

Ich knie mich zu meinem Sohn, nehme ihn auf den Schoß und sein kleines Füßchen in die Hand. Ich ziehe ihm die Schuhe wieder aus und schüttele sie. Ein Stein fällt auf den Boden, dir vor die Füße. Es braucht keine Worte mehr. Das Söhnchen lässt sich die Schuhe wieder anziehen und geht lachend mit dir zur Tür hinaus.

Von tanzenden Kindern und dicken Mauern

Später dann sprechen wir und du sagst zu mir: „Ich habe mich ja immer rausgehalten, aber die Jungs tanzen euch ganz schön auf der Nase herum!“

„Hmmm“ kann ich nur antworten, weil ich merke wie die Wut in mir hochsteigt. So viel liegt zwischen uns, dass wir nicht mehr die gleiche Sprache sprechen. Ich verstehe, was du meinst! In deinen Worten schwingt die Sorge mit, dass wir uns selbst vergessen über die Bedürfnisse der Kinder. Ich bemühe mich, deine Absicht zu erkennen, uns selbst Konflikte, Reibung und Auseinandersetzung zu ersparen, um Kräfte zu sparen. Du machst dir Sorgen.

Du denkst, dass wir irgendwann unter der Welle an Bedürfnissen ersticken werden, die uns entgegen schwappt. Du denkst, dass wir sie brechen müssen, um selbst am Leben zu bleiben. Ich weiß, dass es das für dich war: Ein Kampf ums Überleben. Ich weiß, dass du verzweifelt gestrampelt hast, um nicht zu ertrinken. Und ich möchte dich an die Hand nehmen, schon vor so langer Zeit und dir sagen, dass du es schaffen wirst. Dass du nicht daran zerbrechen wirst, wenn du fühlst.

Und doch trennt uns so viel, dass ich nichts weiter sagen kann. So oft habe ich mit dir gesprochen, dir versucht zu zeigen, dass Konflikte es wert sind, angeschaut zu werden. Dass es sich lohnt, hineinzuspüren. Dass eine Not durch Wegsehen nicht gelindert wird.

Doch deine Mauer hat ihren Sinn.

Deine Mauer hat ihren Preis.

Ich sehe dich dahinter verborgen. Duu brauchst ihren Schutz. Und endlich kann meine Wut versanden. Ich weiß, was du mir sagen wolltest und ich sehe deine Sorgen. Aber wenn du meine Kinder tanzen siehst, dann lohnt sich jede Mühe, jede Träne, jede Schweißperle.

Und im besten Fall tanzen wir gemeinsam mit unseren Kindern, mal schnell und mal langsam, bis wir die Steine des Lebens aus ihren Schuhen schütteln. Vielleicht finden wir nicht immer gleich den richtigen Takt, treten uns gegenseitig auf die Füße oder müssen neu beginnen. Nur wenn wir die Augen öffnen für den anderen, der Musik lauschen, die uns umgibt und versuchen, uns gemeinsam in die gleiche Richtung zu bewegen, haben wir die Möglichkeit zusammen zu tanzen.

Denn nur dann ist es kein Kampf. Nur dann kann es ein Tanz werden.

Und dann, ja dann, dürfen meine Kinder tanzen wo immer sie mögen.

Auch auf meiner Nase.

Der ultimative Tipp, wenn dein Kind dir auf der Nase herumtanzt.

P.S. Welche Sätze haben dich schon einmal so richtig geärgert, waren bei genauerem Hinsehen und in einem anderen Rahmen betrachtet, dann doch nicht mehr so ärgerlich?

Lass‘ es mich wissen und schreib‘ mir doch in die Kommentare.

Deine Katha

2 Kommentare

    • Katharina

      Hallo, liebe Kleinstadtlöwenmama!
      Ich freue mich, dass dich mein Artikel bewegt. Bislang habe ich mich auch immer über diesen Satz so sehr geärgert. Aber da ich den Satz wirklich seeehr oft höre (nicht nur zu mir…) und ich mich gar nicht mehr so viel ärgern möchte, musste ein neuer Rahmen dafür her 😉 Die Energie, die wir sparen, wenn wir uns nicht mehr ärgern, werden wir doch bestimmt an anderer Stelle viel sinnvoller los, oder?

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