Ein bisschen mehr von dem, was glücklich macht

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Vorne weg: das wird kein Jammer-Post! Ich teile mit euch nur ehrlich und in Kurzfassung was uns als Familie die letzten Wochen bewegte.

Wir waren am Ende mit unseren Kräften, mein Mann und ich. Aus Schlafmangel, unerfüllten Bedürfnissen auf Elternseite, mehreren Hiobsbotschaften unseres alten Hauses an uns und ein paar Krankheitswellen, erwuchs bei uns aus immer mehr Unzufriedenheit immer mehr Streit. Nicht nur mal ein unbedachtes Wort, eine kleine Kränkung oder eine Unachtsamkeit dem Anderen gegenüber. Wir hatten uns festgefahren, uns gegenseitig unglücklich gemacht, über Tage und Wochen.

Aus Streitereien wurde ein Kampf um das emotionale Überleben.

Es geht hier nicht darum, einen Schuldigen zu finden. Sehr wohl geht es bei verfahrenen Beziehungen jedoch darum, Verantwortung zu übernehmen. Und die Verantwortung haben wir beide.

Immer wieder setzten wir uns abends zusammen, redeten, stritten und weinten. Wir warfen uns gegenseitig vor, den Anderen nicht wahr zu nehmen, dem Anderen nicht genug Raum zu geben.

Trennen werden wir uns nicht, denn das Fundament für eine glückliche Beziehung ist da. Darüber nachgedacht haben wir. Um den Streit zu beenden, Ruhe zu finden und wieder tief atmen zu können… Wir lieben uns und sehen so viel Gutes im Anderen. Wir können aufeinander stolz sein, wir können den Anderen sehen und wir sind beide bereit, an uns zu arbeiten. An unserer Kommunikation, unserer gegenseitigen Wertschätzung und unserem Zusammenleben.

Kein neuer Anfang, ein neuer Weg

Nach vielen Gesprächen der Wut und Trauer, der Erinnerungen und Träume, der unausgesprochenen Vorwürfe und Wünsche konnten wir endlich wieder zueinander finden. Wir können den Anderen wieder sehen und einigten uns auf ein gemeinsames Ziel: Wir beide müssen wieder mehr Raum haben, als Individuum. Jeder von uns braucht mehr von dem, was ihn glücklich macht, was seine Akkus auflädt, was Stress abbaut und ihn erfüllt.

Ungestörte Zeit mit den Kindern erfüllt uns. – Nicht das Hetzen von einem Termin zum nächsten, das Einkaufen mit zwei kleinen Kindern im Wochenend-Getümmel oder die selbst auferlegten Zwänge, das Haus bis zum Tag X sauber zu bekommen.

Jeder von uns hat mindestens einen freien Abend in der Woche, an dem er seine Zeit für sich nutzen kann. Das ist bei uns einfach viel zu kurz gekommen. Ich freue mich schon darauf, ungestört in meinem Lieblingssessel ein Buch zu lesen, mit einem heißen, dampfenden Tee auf dem Tisch neben mir und vielen duftenden Kerzen im Raum. Ich freue mich darauf, meine Näh-, Strick- und Häkelprojekte wieder zu verfolgen und ich freue mich darauf, weiter viele Herzensartikel zu schreiben. Unsere Termine zur Selbstfürsorge haben wir in den Kalender eingetragen, damit sie nicht in Vergessenheit geraten und von uns geachtet werden.

An mindestens einem Abend pro Woche nehmen wir uns Zeit für uns als Paar. Solange unsere Kinder so klein sind, bleiben wir daheim, Fernseher und Laptop bleiben aus, das Handy wird beiseite gelegt und wir reden. Nicht nebenbei, mit Gesicht und Aufmerksamkeit abgewandt wie wir es schon viel zu lange getan haben. Sondern mit voller Aufmerksamkeit und aktivem Zuhören, weil es uns wichtig ist, was den Anderen bewegt.

Kurzfristig haben wir uns entschlossen an die Küste zu fahren, einmal die Kulisse zu wechseln, andere Luft zu schnuppern und den Kopf frei zu bekommen. Zu lange haben wir uns einen gemeinsamen Familienurlaub gewünscht und zu lange ist dieser Wunsch immer wieder aufgeschoben worden.

Und dann heißt es für uns beide weiterhin an uns arbeiten, an einer gewaltfreien Kommunikation, an einem achtsamen Umgang mit uns und mit unserer gemeinsamen Zeit. Wir sind einem „Immer schneller, immer mehr und immer besser“-Trend aufgesessen, dem wir nicht mehr standhalten können und wollen. Wir hatten uns trotz aller guten Bemühungen in einem Konstrukt verfangen, dass uns keine Luft zum Atmen ließ, uns in immer mehr Arbeit, immer mehr Zwänge und immer weniger Ruhezeiten steuerte.

Wir wollen weiter üben, den Blick auf das Positive zu lenken. Wieder wahrzunehmen, was uns Freude macht. Was dem Anderen Freude macht.

Bindungsorientierung (und Bedürfnisorientierung) bezieht sich eben nicht nur auf das Leben mit unseren Kindern. Sie bezieht auch die Liebe zu uns selbst mit ein und ebenso die Liebe zu den Menschen, die uns auf unserem Weg begleiten – ob das der Partner, die Familie, gute Freunde sind. Hinter dem, was wir hören und sehen, sollten wir uns immer fragen, in welcher Beziehung wir zueinander leben wollen. Das mussten wir nun leidvoll lernen.

Auf meinem Instagram Profil konntet ihr die letzte Woche lesen, dass wir ein neues Ritual eingeführt haben. Wir sprechen beim gemeinsamen Abendessen darüber, was uns am Tag gut gefallen hat, was uns lächeln ließ, was uns mit Freude erfüllte. Damit tun wir Erwachsene uns häufig sehr viel schwerer als die Kinder! Unseren Großen erfüllt es mit Freude, einen Schmetterling vorsichtig berühren zu können, den Hund füttern zu dürfen und mit Mama und Papa Blätter zu harken…

Mit etwas Übung können wir aber auch den Blick aufs Wesentliche schärfen und Freude an den kleinen Dingen empfinden – so wie unsere Kinder.

Deine Katha

 

12 Kommentare

  1. Wie wahr! Das folgende Zitat aus deinem wie Beitrag finde ich ganz toll und wichtig: Bindungsorientierung und Bedürfnisorientierung bezieht sich eben nicht nur auf das Leben mit unseren Kindern. Sie bezieht auch die Liebe zu uns selbst mit ein und ebenso die Liebe zu den Menschen, die uns auf unserem Weg begleiten – ob das der Partner, die Familie, gute Freunde sind.

    Alles Gute euch weiterhin als Familie, Paar und mit euch selbst!

  2. Ich wünsche euch eine wunderbare Zeit des durchatmens! Auch wir haben die Phase durchlebt, dass wir erkennen durften das Beziehung und Bedürfnisorientiert bei uns als Paar genauso wichtig ist. Und das wir nach innen schauen müssen um zu erfahren was uns bewegt. Der Weg lohnt sich so sehr und ihr werdet daran nur wachsen können. Alles liebe euch! Maria

    • Katharina

      Liebe Maria,
      danke für deinen Kommentar. Ich denke eben auch, dass man die Chance hat gestärkt aus einer Krise hervorzugehen. Die Voraussetzung ist eben, dass beide daran arbeiten. Ich finde es beruhigend zu wissen, dass es nicht nur uns so geht.
      Euch auch alles Liebe!
      Viele Grüße,
      Katha

  3. Vielen Dank für diesen Beitrag! So wie euch geht es vielen Eltern! Manchmal da hat man das Gefühl man kommt nicht weiter. Ich kenne das so gut. Kinder, Haushalt, Arbeit … da bleibt die Beziehung zu sich selbst und zum Partner oft auf der Strecke. Aber ihr habt das erkannt und euch Lösungen gesucht! Ihr seit auf dem richtigen Weg! Ich wünsche euch ganz viel „Einsamkeit“ und ganz viel „Zweisamkeit“!
    Liebe Grüße,
    Lila

  4. Liebe Katha, ich bin gerade erst über deinen Blog gestolpert und beeindruckt von deinen ehrlichen, sehr offenen Worten. Viele Paar verlieren sich im Familienleben mit zwei kleinen Kindern. Uns passiert das auch immer mal wieder, aber Offenheit und Kommunikation sind da das A und O. Es freut mich sehr, dass ihr feststellen durftet, eure Liebe hält das aus.

    • Liebe Uta, danke für deinen Kommentar.
      Je mehr Stress dazu kommt, desto eher ist man doch geneigt, ihn auch am Partner auszulassen. Viele von uns Eltern konnten vielleicht nicht die Erfahrung machen, wie wir achtsam miteinander umgehen und wie wir Beziehungen wirklich pflegen können. Daher ist es immer wieder wichtig miteinander zu sprechen, Wünsche und Ängste zu kommunizieren und die Bindung nicht abreißen zu lassen. Solange auch nur noch ein dünner Faden die Beziehung hält, so lohnt es sich doch zu kämpfen finde ich. Aus einem Faden kann wieder ein kuscheliger Pullover gestrickt werden 😉

  5. Ihr schafft das. Die anstrengende Zeit mit den sehr kleinen Mäusen geht auch vorbei. Haltet durch. Ihr könnt stolz sein, auf das was ihr habt.

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