Was wäre wenn heute Nacht ein Wunder geschieht?

Wir hängen fest.

In unserem Familienchaos.

Im immer gleichen Ablauf, der uns irgendwie unglücklich zurück lässt.

Das Wochenende könnte so schön starten. Aber ein Wort, ein müder Blick, ein hungriges Gegrummel reicht und der Streit beginnt. Keiner weiß am Ende so richtig warum.

Manchmal hilft es dann, wenn man eine andere Perspektive einnimmt und die Situation aus einer anderen Sicht betrachten kann.

Festgefahrene Strukturen aufbrechen

Bei uns waren es tatsächlich die gemeinsamen Mahlzeiten, die irgendwie ständig schief liefen. Allen voran das Frühstück. Das lief dann meist so ab: Ich wickelte das Baby und zog es an, mein Mann kümmerte sich um den Großen. Der, der zuerst fertig war, deckte den Tisch und bespaßte nebenbei das jeweilige Kind.

Wenn dann der Partner mit dem anderen Kind kam, setzten wir uns alle an den Tisch, wo mein Mann dann Schnittchen für den Großen, Häppchen für das Baby (das bei mir auf dem Schoß saß) und mich schmierte. In der Reihenfolge. Nebenbei sprang ich gelegentlich nochmal auf (mit Baby im Arm), um irgendwas zu holen, was in der Eile beim Eindecken vergessen wurde. Der Große, der zuerst seine Schnittchen bekam, war meist schon nach kurzer Zeit fertig mit essen und stand in seinem Hochstuhl. Gelangweilt, bereit, in den aufregenden Tag zu starten. Einige Male konnten wir ihn noch motivieren sitzen zu bleiben, bis er schließlich nicht mehr zu halten war und Reißaus nahm.

Ich konnte es ihm nicht verdenken. Einer von uns beiden Erwachsenen stürzte dann hinterher, um ihn weiter zu beschäftigen. Der Andere beseitigte das Chaos. Frühstück beendet, meist für uns Erwachsene noch mit halbleerem Magen und ohne den ersten Kaffee getrunken zu haben. Mit Ruhe in den Tag zu starten geht anders! Wenn es total gut lief, gifteten mein Mann und ich uns noch an.

So startet es sich nicht schön in den Tag. So soll unser Wochenende nicht beginnen, das war uns klar. Aber wie können wir etwas ändern und vor allem was? Vorwürfe zu machen, weil der andere ein Morgenmuffel ist oder weil er eben schon zu aktiv ist, bringt niemanden weiter. Lösungen mussten her.

Lösungen finden – Fragen stellen

Im Studium habe ich mich sehr viel mit lösungsorientierter Beratung beschäftigt und anschließend in meiner ersten Arbeitsstelle, einer psychotherapeutischen Praxis für Kinder und Jugendliche, vertieft. Meine Anleiterin dort war Systemische Beraterin und zeigte mir, wie wirkungsvoll Fragen sein können. Die richtigen Fragen öffnen manchmal ganz neue Türen. Sie können alte, störende und sperrige Denkmuster aufbrechen und Platz machen für Reflektion und Veränderung.

Eine dieser wundervollen Fragen ist die Wunderfrage nach Steve De Shazer.

Hast du dir schon einmal die Wunderfrage gestellt?

Manchmal braucht es ein Wunder, um aus ganz verfahrenen Strukturen auszubrechen. Scheinbar hat jeder seinen Platz gefunden und agiert bzw. reagiert immer gleich. Kennst du auch solche Situationen? Vielleicht spielt sich in eurer Familie auch immer wieder der gleiche Konflikt ab. Stell dir diese Situation mal vor. Lass sie vor deinem inneren Auge nochmal Revue passieren. Und jetzt stell dir mal vor, heute Nacht geschieht ein Wunder:

Heute Nacht kommt eine gute Fee. Sie zaubert euer Problem einfach weg. Am Morgen wacht ihr auf und es ist verschwunden. Keiner von euch weiß aber, dass eine gute Fee da war!

Da wo das Problem immer aufgetaucht ist, ist nun aber nicht nichts. Da ist etwas anderes. Was ist das? Wie sieht es aus?

„Angenommen, Dein Problem wäre wie durch ein Wunder gelöst. Was genau wäre das Wunder und woran würdest Du merken, dass das Wunder geschehen ist?“

Stell‘ dir vor, wie nun diese Situation aussieht, die das Problem immer hervorgebracht hat. Was ist anders? Wer würde alles bemerken, dass ein Wunder geschehen ist und woran?

Und jetzt mal dir diese wunderhafte Situation genau aus und überlege, ob und wann es bei euch in letzter Zeit vielleicht ähnlich war wie nach diesem Wunder?

Probleme loslassen und Lösungen schaffen

Nun gibt es vielleicht nicht diese Fee und trotzdem möchtest du diese wunderhafte Situation für euch erreichen…was kannst du jetzt schon dafür tun, dass sie vielleicht eintritt?

Und genau hier finde ich die Wunderfrage am wunderbarsten. Denn an dieser Stelle kannst du dein oder euer Problem loslassen und dich den Lösungen zuwenden.

Probleme wälzen macht nicht unbedingt glücklich. Lösungen machen glücklich. Vielleicht kannst du ein bisschen dazu beitragen, dass das Wunder/ die Lösung eures Problems auch ohne die gute Fee zustande kommt. Bist du entspannter oder geduldiger wenn das Wunder eingetreten ist? Würden freundliche Worte die Stimmung in der „Problemsituation“ entspannter werden lassen?

Wir haben mit dieser Methode tatsächlich viel mehr Entspannung in unsere Frühstückssituation am Wochenende bekommen: Ich bin ein kleiner Morgenmuffel, besonders wenn das Baby mich die ganze Nacht wach gehalten hat. Morgens bitte ich manchmal darum, noch ein bisschen liegen bleiben zu können, um besser in den Tag zu starten. Nicht immer ist das aber möglich und so sage ich einfach auch mal, dass ich schlecht oder wenig geschlafen habe und dass ich muffelig bin. Mein Mann darf das dann natürlich genauso äußern! Wir wissen dann, dass wir aufeinander Rücksicht nehmen sollten.

Wir setzen uns an den Tisch, wenn wir fertig sind mit Decken und Vorbereiten des Tisches.

Wir wissen, dass der Große momentan kein besonderes Interesse am Essen hat und stattdessen lieber sofort die Welt entdecken will. Wir beteiligen ihn an den Aufgaben beim Decken und Abdecken des Tisches und er darf ihn auch mitschmücken. Das findet er toll, er fühlt sich Wert geschätzt und meist sieht es auch ganz toll aus! Er darf dann sein Brot selber schmieren und findet es klasse. Wenn er fertig ist, darf er aufstehen und in der Küche spielen, wo wir ihn sehen und selbst dabei noch weiter essen können. Wichtig ist für uns dabei, dass er im Raum bleibt und eben nicht gerade Kettensägen-Geräusche macht…das würde uns doch etwas beim Essen stören.

Ein bisschen Übung hat es für uns alle gebraucht, um die neuen Abläufe zu festigen und manchmal ruschen wir auch wieder in den alten Stress. Aber wir können es nun auch anders und haben die Chance, uns jedes Mal für die harmonischere Variante zu entscheiden.

Natürlich ist nicht jeder Tag gleich. Unsere Kinder werden größer, haben wieder andere Bedürfnisse und alle Situationen sind einem ständigen Wandel unterlegen. Wir wissen nun aber, dass wir Veränderungen auch mitbestimmen können und dass wir mit einem Blick auf die Lösungen mehr erreichen als mit einem Meckern über die Probleme (Ich habe nichts gegen Meckern im Sinne von Luft rauslassen! Ganz im Gegenteil, das kann auch sehr gut tun aber dann muss es eben auch wieder weiter gehen).

Und jetzt bist du dran!

Welche Situationen führen bei euch immer wieder zu Stress, Unmut und Streit? Wie würde die Situation nach dem Besuch der guten Fee aussehen? Was wäre anders? Was kannst du schon heute dafür tun? Probiers doch einfach mal aus und erzähl mir, wie es geklappt hat.

Viel Erfolg dabei wünscht dir

deine Katha

 

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