Nachhaltig gärtnern – Interview mit Jen vom Gartengemüsekiosk

Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, ist eine meiner Leidenschaften das Gärtnern. Gemüse und Obst anzubauen ist für mich etwas ganz Besonderes! Für mich verbindet es so viele schöne Kindheitserinnerungen und es schmeckt einfach so viel besser als Gekauftes.


Ein weiterer Pluspunkt: Ihr wisst selbst, wie es behandelt wurde! Viele Menschen versuchen heutzutage, sich mit Gemüse und Obst selbst zu versorgen und so weitestgehend unabhängig vom Massenmarkt zu machen.


Ich darf euch heute jemanden vorstellen, der sich auf diesen Weg gemacht hat und uns daran teilhaben lässt. Gemeinsam mit ihrem Mann pflegt Jen den wundervollen Youtube-Kanal Gartengemüsekiosk, auf dem sie Garten-Neulingen den Gemüseanbau Schritt für Schritt erklären und schmackhaft machen. Aber auch echte Garten-Profis finden bei den beiden tolle Anregungen. Ich freue mich sehr, dass ich mit ihr ein Interview führen durfte:

Natürlich Geliebt: Hallo, Jen! Danke, dass du die Zeit gefunden hast, mir ein paar Fragen zu beantworten. Ihr seid ja bestimmt ganz gut beschäftigt mit eurer kleinen Gartenzwergin, dem Gemüseanbau, Youtube-Kanal und Blog. Ich finde eure Arbeit schon lange richtig klasse und habe mir schon so viele Inspirationen für unseren Garten geholt. Aber kannst du dich kurz vorstellen, für die, die dich noch nicht kennen?

Jen: Vielen Dank für deine Einladung zum Interview! Wir sind neuerdings eine kleine Familie geworden mit unserer Gartenzwergin die auch schon fleißig im Garten erntet. Unsere Leidenschaft ist unser Garten, er ist unser Idyll. Viel von unserem Leben und Werkeln teilen wir via YouTube und unserem Blog mit allen, die daran interessiert sind, Grünzeug und Obst selbst anzubauen. Sei es im eigenem Garten, auf der Terrasse oder auf dem Balkon. Unser Motto heißt: Jeder Pflanzkübel zählt!

Natürlich Geliebt: Wisst ihr eigentlich noch, was ihr alles anbaut? Habt ihr einen Gartenplan? Und haltet ihr euch beim Anbau an strikte Regeln (z.B. Fruchtfolge?)

Jen: Grins, ja klar. Spannend ist, dass wir immer wieder Neues entdecken was gar nicht geplant war. Beispielsweise einige Blüten und Kräuter. Mittlerweile haben wir auch viele essbare Blüten im Garten. Dazu soll es dieses Jahr auch einen Aussaatkalender in unserem Onlineshop geben, in dem wir hauptsächlich Saatgut anbieten.

Es wächst von alleine, auch unser Projekt. Wir sind einfach mit Leidenschaft dabei, das ist alles. Manchmal stehen wir im Garten und fragen uns wann und wie wir das alles geschafft haben. Der Gärtner, also mein Mann, und ich ergänzen uns ziemlich gut. Er denkt sehr systematisch, was mir manchmal schwer fällt und ich bin gerne unter Leuten und kommunikativ. Gemeinsam liegt uns die Kreativität. Bisher haben wir weniger Zeit als Ideen.

Klar sind für uns Mischkulturen und Fruchtfolgen im Garten wichtig. Allerdings testen wir auch gerne aus, wie man die Regeln brechen könnte. Beispielsweise arbeiten wir in unserem Garten gerne mit Bokashi* als Dünger und wir haben schon öfters Kohl nach Kohl erfolgreich angebaut, was klassisch ein No-Go ist.

Natürlich Geliebt: Schafft ihr es, euch mit dem Gemüse und Obst selbst zu versorgen? Was müsst ihr dazu kaufen?

Jen: Ja und Nein, die totale Selbstversorgung ist allerdings auch nicht unser Ziel. Wert legen wir auf viel frisches Gemüse und Obst. Vor allem auf eine versetzte Ernte. Was nützt es mir, wenn ich gleichzeitig viele Gemüse einer Sorte habe? Das kann natürlich vorkommen, wir frieren dann fleißig ein. Auch wird bei uns getrocknet und ab und an auch eingekocht/eingelegt (Lutenica und Gurken zum Beispiel). Spannend ist für uns die saisonale Küche! In unserem Kochbuch „Die Gartengemüseküche“ gehen wir genau darauf ein.

Dazu kaufen wir auch, entweder bei unserem Lieblingsbiobauern aus der Region oder eben auch im Supermarkt. Mandeln, Oliven, Öle, Körner, Apfelsaft, Vanillepulver … Ach, es gibt einiges was wir einkaufen, aber eben auch einiges, was wir nicht einkaufen müssen und das ist ein tolles Gefühl. Vom Geschmack mal ganz abgesehen.

Selleriesamtsuppe (Quelle:Gartengemüsekiosk)

Natürlich Geliebt: Was ist für euch besonders wichtig für nachhaltiges Gärtnern? Was gehört nicht dazu?

Jen: Kreisläufe, Erdwirtschaft, effektive Mikroorganismen, konstruktiver Pflanzenschutz wie Gemüsenetze beispielsweise. Aber da ist die Liste lang. Das eine führt zum anderen und man findet so seinen Weg.

Von organischen Düngern mit Hornspänen und Blutmehl nehmen wir Abstand. Auf dem Teller unterstützen wir die Massen-Industrie nicht, warum dann im Garten? Stärken stärken und Schwächen schwächen. Eigentlich logisch! Immer wieder spannend was man neues entdeckt und sich dann denkt: warum erkenne ich das jetzt erst? Dieses Phänomen kennt wohl jede/r, oder?

Jen im Gartenidyll (Quelle: Gartengemüsekiosk)

Hast du den Film Earthlings gesehen? Wir haben Nachwuchs, spätestens dann macht man sich doch vermehrt Gedanken was für eine Welt man weitergeben möchte. Und für uns fühlt es sich gut an ihr (der Gartenzwergin) mögliche Alternativen vorzuleben. Beispiel und Liebe, braucht es viel mehr?

Natürlich Geliebt: Wie seid ihr dazu gekommen, euch selbst versorgen zu wollen? Welche Anfänger-Fehler habt ihr gemacht?

Jen: Als wir uns kennen gelernt haben, hatten wir unabhängig voneinander schon Interesse am Gärtnern, allerdings nur in sehr kleinem Stil. Dann irgendwann ist es so groß geworden. Mit dem Umzug in unseren jetzigen Garten würde ich sagen. Dann zog die Pflanzenküche vor vier oder fünf Jahren bei uns ein und es machte noch mehr Sinn.

Wir haben auch Fehler gemacht, oder anders: wir haben Erfahrungen gemacht. Viele kathastrophale waren gar nicht dabei. Manches Jahr will der Dill nicht wachsen, dafür explodieren die Gurken. Der Fenchel schießt gern schonmal, die Tomaten haben sich doch einmal gekreuzt. Zwei Jahre hatten wir eine vollkommen für uns unpassende Erdbeersorte im Hochbeet stehen. Ich könnte länger so weiter machen. Besonders lohnenswert würden wir das Mulchen benennen, natürlich, dazu haben wir auch ein Video.

Sollte ich Anfängern Tipps geben, würde ich empfehlen, erstmal das zu versuchen, was man auch gerne isst und nicht alles auf einmal auszuprobieren. Wer genug Platz hat, dem sei ein Hochbeet empfohlen. Und wir sind sehr überzeugt vom dauerhaften Einsatz der effektiven Mikroorganismen* in Kombination mit anderen Elementen der Bodenpflege. Eben das, was bei der konventionellen Landwirtschaft auf der Strecke bleibt. Es ist aufwendig, ja schon, aber es lohnt sich!

Natürlich Geliebt: Was würdest du einem Garten-Neuling raten: Mit welchem Obst/Gemüse oder mit welchen Kräutern kann man gut starten? Was sollte man beachten? Können auch Leute mit kleinem oder gar keinem Garten nachhaltig anbauen?

Jen: Erstens was man mag und zweitens wo man Lust zu hat. Wer Inspiration sucht, findet in unseren Videos bestimmt neue Ideen. Einfach sind Zucchini, Bohnen, Salate aber auch Tomaten. Egal was man anbauen möchte, ein bisschen Recherche vorher schadet nicht. Bohnen und Mais kann man auch schön als Sichtschutz anpflanzen, Kartoffeln im Sack oder in der Tonne. Es gibt so viele Möglichkeiten auch für kleinen Raum. Bei den Kräutern lohnt es sich definitiv den Basilikum selbst zu ziehen und zur weiteren Vermehrung weitere Stecklinge zu ziehen. Auch dazu haben wir Videos auf unserem Kanal.

Natürlich Geliebt: Nun seid ihr ja seit seit kurzer Zeit zu Dritt. Hat sich die Ankunft eurer Gartenzwergin auf euren Selbstversorger-Traum ausgewirkt? Babys stellen ja bekanntlich den Rhythmus erst einmal auf den Kopf…musstet ihr kürzer treten? Glaubt ihr, dass ein großer Garten für Familien schaffbar ist und wenn ja: Hast du Tipps?

Jen: Puh, gute Frage. Kürzer treten? Umdisponieren würde ich eher sagen. Unsere Gartenzwergin ist ein Baby der Marke intensiv. Sprich kein Kinderwagen, kein Ablegen etc.. Kennst du das Buch „artgerecht„*? Tolle Lektüre mit einer erweiterten Perspektive.

Oder das Buch „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück*“? Das sind nur zwei Beispiele für Sichtweisen, die einen schnell und sehr logisch darlegen, dass unser klassischer Plan für eben nicht alle neuen Erdbewohner passt. So Sachen wie schreien lassen, jedes Kind kann schlafen lernen etc. sind für mich indiskutabel! Das schädigt die kleinen Seelen nachhaltig. Hier wünsche ich mir mehr Aufklärung. Ebenso bei der öffentlichen Relevanz von Hebammen.

Konkret heißt das, wir haben diverse Tragehilfen am Start, unsere kleine Tochter darf am Tisch mit den eigenen Fingern Essen und begreifen. Wir schlafen entspannt im Familienbett und sie wird nach wie vor gestillt. Warum auch nicht? (Zwinker)

Die Verwendung von Stoffwindeln und zumindest Teilzeitwindelfrei sind für uns nahezu selbstredend. Babys machen nichts, um zu manipulieren oder zu ärgern, auch haben sie ihre Eltern nicht im Griff, wie man es leider oft von der älteren (aber auch von der jüngeren ?) Generation hört. Stelle man sich mal vor man kann sich zu Beginn nichtmal selbst am Kopf kratzen und reden kann man auch nicht, geschweige denn geduldig sein. Ganz schön ungünstig so abhängig vom Verständnis und Wohlwollen der Familie zu sein, nicht wahr?

Die Kleinen werden so schnell groß. Töpfern und Ikebana kann ich später auch noch machen. Aber insgesamt bin ich mit Kind viel langsamer und zum Videodrehen sind wir immer sehr dankbar wenn Oma am Start ist. Mittlerweile trage ich die Kleine sehr gern auf dem Rücken. Im Garten hat sich bei uns die Manduka als sehr praktisch erwiesen. Größerer Garten geht immer, wenn man Lust aufs Garteln hat. Großeltern und Kinder stellen eine große Bereicherung dar. Aber lieber immer langsam und im Kleinen anfangen. Was wir bei uns haben und zeigen, ist über Jahre gewachsen. Davon sollte man sich nicht beirren lassen.

Natürlich Geliebt: Danke für deine Zeit und für deine hilfreichen Antworten! Viele Grüße auch an deinen Mann, den Gärtner. Ich freue mich auf viele neue, lehrreiche Videos von euch! Willst du meinen Lesern zum Schluss vielleicht noch etwas mitteilen?

Jen: Glücklich sein, Dinge ausprobieren, dem Bauchgefühl folgen, herausfinden wofür das Herzblut schlägt und dann nur Mut. Was man gerne macht, macht man gut! Und letztens habe ich auf Instagram oder Pinterest einen Spruch gelesen, den man öfters lesen könnte:

*Dein Alltag ist ihre Kindheit*

Vielen Dank für deine Einladung zum Interview! Ich wünsche dir weiterhin noch viel Freude, Herzblut und wachsende Reichweite mit deinem liebevollen Blog.

Ich hoffe, ich habe euch mit diesem Interview so richtig Lust aufs Anbauen von Gemüse und Obst gemacht und ihr seid schon ganz gespannt auf die wundervollen Videos vom Gartengemüsekiosk. Ihr findet dort viele tolle Einsteiger- und Fortgeschrittenen-Tipps für euren Garten! Nach und nach werde ich euch hier auch immer wieder über nachhaltige Ideen für den Garten auf dem Laufenden halten.

Eure Katha

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2 Kommentare

  1. Liebe Katha, ich bin gerade erst auf deinen Blog gestossen und finde sehr interessant, was du schreibst. Ich freue mich, in deinem Blog ein bisschen zu stöbern. Liebe Grüsse aus der Schweiz 🙂

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