Der Wunsch nach Geborgenheit

Ich schalte die Nachrichten ab. Vielleicht für immer. Ich habe beschlossen, dass ich nicht mehr alles sehen und hören will, was Schlimmes in der Welt passiert. Seit ich Mutter bin, ertrage ich noch viel weniger die Bilder von hungernden Kindern, zertrümmerten Wohnhäusern und Plastikstrudeln im Meer.

Nein, ich will nicht die Augen komplett davor verschließen, was um mich herum passiert. Aber manchmal kann ich nicht noch mehr davon aufnehmen weil das Leid, die Ungerechtigkeit und der Schmerz, der auf der Welt herrscht, eben nicht an mir abprallt. Und ich sehne mich nach Geborgenheit.

Ich durfte als Kind geborgen aufwachsen. Das verdanke ich meinen Eltern, den friedlichen Umständen, in die ich geboren wurde und vielen anderen positiven Faktoren. Und ich hatte auch Glück! Ich durfte mit dem Glauben daran aufwachsen, dass alles gut wird und dass meine Eltern mich vor allem Bösen beschützen. Nennt es kindliche Naivität…ich will sie zurück!

Wenn ich zu weit über meinen Tellerrand schaue und sehe, was sich mancherorts abspielt, will ich die Augen und Ohren verschließen. Ich will mich und meine Kinder davor beschützen. Und ich will manchmal auch nicht mehr für eine bessere Welt kämpfen.

Wenn ich sehe, wie ein Hochwasser das Nächste jagt, will ich meine Kinder nehmen und sie an einen sicheren Ort bringen. Wenn ich höre, wie der nächste Wirbelsturm bedrohlich an unserem Dach rüttelt, bleibe ich äußerlich gelassen obwohl in meinem Inneren der gleiche Sturm tobt. Wenn ich in den Nachrichten höre, lese oder sehe, welche unaussprechlichen Dinge Menschen einander antun, wird mir schlecht. Ich bin hellwach und beobachte meine Umgebung, bilde mir ein, dass ich eine gute Menschenkenntnis habe und meine Kinder in einem sicheren Umfeld groß werden.

Es gibt so viel, was mir als Mutter Angst macht. So viele Situationen, die eben auch uns passieren könnten und gar nicht so weit weg sind. Ich will mir immer wieder sagen, dass schon alles wieder gut wird. Aber nicht alles wird wieder gut! Manche Katastrophen reißen tiefe Löcher in Seelen, in Familien, in ganze Städte.

Und trotzdem werde ich mit meinen Kindern im Supermarkt einkaufen, in einen Zug steigen oder mit dem Auto zu den Großeltern fahren. Ich habe dabei keine Angst, aber manchmal ein ungutes Gefühl.

Ich möchte, dass meine Kinder geborgen aufwachsen, mit der unumstößlichen inneren Sicherheit, dass das Leben viel Gutes für sie bereit hält. Ich will, dass sie in sich selbst die Stärke finden, die sie brauchen,  um Hindernisse zu überwinden und Krisen zu überstehen.

Ich durfte diese Stärke durch meine Eltern bekommen. Und ich werde mein Bestes geben, dass auch unsere Kinder auf uns als Eltern vertrauen können. Dass sie uns ihr Vertrauen schenken, wenn alles andere unsicher erscheint. Dass sie daran glauben, dass Mama und Papa immer für sie da sein werden und ihre Nöte immer ernst nehmen. Dass wir alle Gefahren von ihnen abwenden solange es uns möglich ist…

Wir arbeiten jeden Tag daran, dass das Vertrauen unserer Kinder in uns wächst, damit sie geborgen aufwachsen dürfen. Und dass sie auf dieser Basis, auf diesem sicheren Fundament, ihre eigene, innere Stärke finden.

Und genau aus diesem Grund helfe ich meinen Kindern wenn sie weinen, tröste sie bei jedem Kummer und Schmerz und härte sie nicht ab. Das Bedürfnis nach Geborgenheit steckt in uns allen.

Eure Katha

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