Wenn mein Partner nicht so will wie ich

Schwarzweiß Bild von Babyhand

Vor den Kindern waren wir ein Paar. Zwei Menschen, die sich die Verantwortung für Haushalt, Finanzen, Einkäufe und ein paar andere Angelegenheiten teilten. Auch da gab es ab und zu Reibereien, Diskussionen und unterschiedliche Sichtweisen. Wir mussten uns aber nicht die Verantwortung für ein und dann zwei kleine Menschen teilen…

Ich war gerade in einer Gruppe zu bedürfnisorientierter Elternschaft unterwegs und stieß auf einen Thread, in dem einige Mütter beschrieben, wie sie mit ihren Partnern in puncto Erziehung aneinander geraten. „Danke, dass wir damit nicht allein sind „, war mein erster Gedanke. Ich bin irgendwie immer davon ausgegangen, dass bedürfnisorientierte Eltern untereinander IMMER Harmonie, Geduld und Liebe versprühen…

Aus dem Baby wird ein Kleinkind und damit fängt die Arbeit erst an

Ich habe ja schon darüber geschrieben, dass ich mich bewusst erst eine Weile mit der bedürfnisorientierten Elternschaft auseinander setze. Als der Große noch ein Baby war, gab es für uns eigentlich keinen Anlass dafür, unser Handeln zu hinterfragen oder Erziehungsratgeber zu lesen. Wir taten alles aus Gefühl und Intuition heraus, fragten die erste Zeit unsere Hebamme und es funktionierte so recht gut und war zufällig genau das, was man so als Attachment Parenting-Eltern macht. Klar gab es auch hier und da Diskussionspunkte unter uns Eltern, denn für uns beide war ja alles neu. Aber irgendwie gab uns der Erfolg in unserem Tun doch immer Recht: wenn das Baby zufrieden war, hatten wir doch alles richtig gemacht.

Seit aber der Große in der Autonomie-Phase angekommen ist und wir immer stärker das hinterfragen, was allgemein als richtige Erziehung angesehen wird, geraten wir eindeutig häufiger aneinander. Es ist nun eindeutig schwieriger zu wissen, was richtig und was falsch ist, aus ein paar einfachen Gründen:

  1. Wir haben nicht immer gleich die Bestätigung für unser Tun: Wenn wir bedürfnisorientiert auf unser Kleinkind eingehen, bekommen wir nicht immer gleich die Belohnung = ruhiges, ausgeglichenes Kind dafür. Die Haltung gegenüber unserem Kind zielt auf eine langfristig gesunde und respektvolle Eltern-Kind-Beziehung ab.
  2. Gesellschaftlicher Druck: Ihr kennt die Sprüche ja bestimmt. Wenn man seinem kleinen Kind respektvoll und auf Augenhöhe begegnet, nicht von oben herab Befehle erteilt, scheint das manchen Leuten nicht zu passen. Dann ist davon die Rede, dass wir kleine Tyrannen erziehen oder uns die Kinder auf der Nase herumtanzen (werden). Unser Umfeld erwartet, dass unsere Kinder parieren und sich anständig benehmen, immer und überall. Auch wenn an der Kasse die buntesten und leckersten Süßigkeiten stehen, das Kind hundemüde ist und schon den ganzen Einkauf toll mitgeholfen hat…
  3. Wir haben selbst als Kinder eine andere Erziehung erlebt: Für die meisten von uns ist eine bedürfnis- und bindungsorientierte Erziehung unserer Kinder Neuland, weil wir selbst anders Groß geworden sind. Vielleicht war es bei uns üblich, dass wir mit Wenn-Dann-Sätzen unter Druck gesetzt wurden und dies als normale Umgangsform für unsere Kinder sehen. Ist es aber nicht! Bei vielem, was uns normal vorkommt, weil wir es selbst kennengelernt haben, steckt in Wahrheit kein besonders respektvoller Umgang mit dem Kind dahinter. Unser Bauchgefühl wird uns daher häufig in die Falle locken.

Der eine so, der andere so

Als wir also mit unserem Latein häufiger ans Ende kamen, weil der Große uns ganz schön auf Trab hielt und eigentlich so gar nicht das machte, was wir gut fanden, las ich mich durch verschiedene Artikel und Bücher zu bindungsorientiertem Familienleben. Die Motivation dahinter war, dass ich genau wusste, was ich als Mutter nicht tun wollte: nämlich genau das, was ich als Kind selbst doof fand.

Und so kam es, dass ich im Zusammenleben mit den Kindern vieles anders machte. Meine Haltung hatte sich geändert. Mein Mann hingegen tat das, was er gelernt hatte, aus dem Bauch heraus und das fand ich irgendwann nicht mehr gut. Wir sind in vielen Belangen sehr unterschiedlich, mein Mann und ich. In vielen Bereichen ist es auch okay so: Ich kann gut ohne Fleisch leben, er nicht. Ich lese gern, er ist ein Büchermuffel. Die Liste lässt sich noch weiter fortsetzen… Aber wir sollten uns schon einig sein, wie wir als Familie zusammen leben wollen.

Der Fairness halber muss ich sagen: Ich hatte es leichter, den Zugang zum bindungsorientierten Weg zu finden. Ich verbringe den ganzen Tag mit den Kindern, befasse mich ja quasi rund um die Uhr mit ihnen, wäge häufig ab, was ihnen gut tut und worin ich sie unterstützen kann. Mein Mann kommt abends nach der Arbeit hinzu, in ein System, in das er sich erst wieder einfädeln muss und dann läuft häufig der Auto-Pilot.

Respektvoller Umgang mit großen und kleinen Menschen

Wir kommen also immer wieder in Situationen, die wir unterschiedlich handhaben und sind irritiert darüber, dass der Andere einen anderen Weg einschlägt. Was können wir dann tun? Ich finde es wichtig, dass die Haltung vom respektvollen Umgang miteinander sich auch im Miteinander zwischen Erwachsenen zeigt. Nur so lernen doch auch unsere Kinder wie man anderen wertschätzend gegenüber tritt. Meinem Partner in der Situation vorzuschreiben, was er zu tun und zu lassen hat, passt da nicht hinein.

Besser ist es, sich in einer ruhigen Minute auszutauschen, wie man gemeinsam das Familienleben gestalten kann, damit es zu allen passt. Tabus sollten definiert werden. So sollte zum Beispiel ein Konsens darüber bestehen, dass Gewalt absolut keinen Platz in der Familie hat. Weiterhin muss auch Klarheit darüber herrschen, was Gewalt für den einzelnen bedeutet, denn auch hier kann es verschiedene Erfahrungen und Sichtweisen geben.

Auch die Beziehung zwischen Vater und Mutter ist eine Beziehung, die durch Nähe und Eingehen auf die Bedürfnisse des Anderen wachsen kann. Genauso kann sie kränkeln und kaputt gehen, wenn die Bedürfnisse des Anderen missachtet und seine Integrität verletzt wird.

Ich zeig‘ dir wie es gehen kann

Jeder von uns ist dafür verantwortlich wie er seine Beziehungen gestaltet. Jeder von uns hat selbst in der Hand, wie er die Beziehung zu seinen Kindern, zu seinem Partner, zu anderen Menschen gestaltet. Daraus resultiert für mich, dass ich nicht in der Hand habe, wie andere Menschen ihre Beziehungen gestalten. Und so kann ich auch nicht bestimmen, wie mein Partner die Beziehung zu unseren Kindern lebt.

Ich gehe mit ihm ins Gespräch, lasse ihn daran teilhaben wie ich denke, was ich fühle und mir wünsche und lebe ihm vor, wie es anders gehen kann. Ich zeige Alternativen dazu auf, was wir bislang gelernt haben und frage, ob er sich das auch vorstellen kann. Ich gestehe ihm zu, dass er anders ist als ich und Dinge anders regelt als ich. Wir sehen einander als Individuen, die das Recht haben anders zu sein und das schließt nicht nur unsere Kinder, sondern auch uns Erwachsene mit ein.

Wir haben es geschafft, uns über viele Dinge einig zu sein und unsere Kinder lassen uns jeden Tag als Eltern wachsen.

Eure Katha

 

2 Kommentare

  1. Liebe Katha,

    vielen Dank für Deine wertvollen Gedanken! Ich habe mich beziehungsweise uns als Familie in Deinen Worten sehr wiedergefunden. Ich glaube, es ist schon ein großes Glück, wenn man sich als (Eltern-) Paar grundsätzlich einig ist, wie man das Leben mit den Kindern gestalten möchte. 😉 Dazu gehört ja schon eine große Portion austauschen und reflektieren.
    Total schön und eine gute Erinnerung für mich fand ich nochmal Deinen Hinweis, dass ja trotzdem jedes Elternteil ganz individuell die Beziehung zu den Kindern auch durchaus unterschiedlich leben kann – und man dennoch „!an einem Strang zieht“. Vielen Dank dafür 🙂
    Liebe Grüße von Katja

    • Katharina

      Liebe Katja,
      schön, dass du etwas für dich mitnehmen konntest! Ich finde auch, wenn man Kinder hat, darf man nicht vergessen, dass der Partner immer noch ein eigenständiger Mensch ist mit dem man ebenso in Beziehung steht. Eine Beziehung kann nur bestehen, wenn man sich mit Respekt und Wertschätzung begegnet. Bei allen guten Vorsätzen unseren Kindern gegenüber, vergisst man das gleichzeitig so schnell. Danke für deine Rückmeldung!
      Liebe Grüße, Katha

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.