Wie werde ich meinen Kindern gerecht? Und mir selbst?

Unser Kleiner ist nun 5 Monate alt, der Große 2 Jahre. Das ist eine geballte Ladung an Bedürfnissen, Geschwisterliebe und auch Neid. In der Schwangerschaft habe ich mich darauf gefasst gemacht, dass es anstrengend wird und trotzdem gab es da noch meine innere Stimme, die mir versicherte, dass wir „das Kind schon schaukeln werden“, weil „andere schaffen das doch auch“. Mein Gedanke zum (fast) ersten halben Jahr mit zwei Kindern: Wo bin ich? Und wenn ich mich gerade nicht sehe, wer wird dann meinen Kindern gerecht? Da kam mir die Blogparade von MamasKind zu diesem Thema gerade recht!

Lass mich nicht allein!

Obwohl ich ja schon wusste, was mit einem Baby auf mich zukommt, war es doch eine Gleichung mit vielen Unbekannten: Wie wird das Baby so sein? Wird es viel weinen, viel getragen werden wollen, Bauchschmerzen haben? Und wie wird der große Bruder reagieren? Wird er eifersüchtig sein? Und wie werde ich mich nach der Geburt fühlen? Zumal sie ja tatsächlich nicht so gelaufen ist, wie erhofft.

Und dann die Ernüchterung. Eigentlich war es nach der Geburt des zweiten Kindes fast genauso wie an den ersten Tagen mit dem ersten Kind: Ich fühlte mich planlos, aufgeschmissen und irgendwie noch nicht so richtig im Hier und Jetzt angekommen. Der Unterschied war diesmal nur: Ich hatte zwei Kinder. Klar wusste ich noch, wie man das Baby stillte, wie man es wäscht und anzieht. Ich fühlte mich sicherer mit dem Baby und hatte ja auch schon diesen wunderbaren mütterlichen Instinkt, der einem ja irgendwie immer weiter hilft. Aber wie sollte man all das machen, wenn man noch nebenbei ein Kleinkind zu betreuen hatte, das gerade voll in der Autonomiephase angekommen war?

Die ersten Wochen war ich nicht allein, das war unheimlich beruhigend. Aber irgendwann ging mein Mann dann wieder arbeiten und ich bangte dem ersten Arbeitstag entgegen. Klar, musste er ja auch irgendwann! Aber bitte nicht heute! Am besten nie wieder!

Wenn ich Mutter werde, dann eine perfekte

Dann kam der Tag und ich wuppte auch irgendwie alles, mit Betonung auf irgendwie… ich stillte den Babysohn durch den Tag, während ich mit der freien Hand Bilderbücher für den großen Bruder blätterte, umherfliegende Spielsachen abwehrte oder den Hund vom Butterbrot fernhielt (achja, der Hund!). Die ersten Tage, vielleicht auch die ersten Wochen, war es also mehr eine grobe Schadensbegrenzung als ein entspannter Alltag und ich wurde immer unzufriedener. Warum muss das eigentlich so sein, dass ich nur versuche, den Tag unfallfrei für alle zu gestalten? Wo bleibt die Liebe, die Geborgenheit, die ich meinen Kindern eigentlich in jeder Sekunde vermitteln möchte? Wo bleibe ich, wenn ich seit Stunden einfach nur mal auf Toilette möchte, das Baby aber weint wenn ich es ablege und der Große das Badezimmer unter Wasser setzt sobald ich nicht einschreiten kann.

Das Ding ist, wenn ich mir etwas vornehme, dann will ich es auch perfekt machen. Als ich etwa Mitte 20 war, hätte ich Stein und Bein geschworen, dass ich keine Kinder bekomme, niemals! Als ich mir dann ein paar Jahre später doch glühend Kinder wünschte, wollte ich natürlich auch eine perfekte Mutter werden. Ja, perfekt gibt es nicht und perfekte Mütter (und im Übrigen auch Väter) erst recht nicht. Klar, dass die Realität dann ganz anders aussah.

Wenn nicht perfekt, dann halt glücklich

Ich fragte mich also, wie ich es schaffe, dass am Ende des Tages alle zufrieden ins Bett gehen können – ich also auch. Der Schlüssel zum Erfolg liegt für mich darin, entspannter in den Tag zu starten und weniger zu erwarten. Für uns alle zusammen ist es wichtig, den Moment zu genießen, achtsam mit den Bedürfnissen aller umzugehen und nichts erzwingen zu wollen.

Ich erwarte nicht, dass beide Kinder gleichzeitig mittags schlafen. Wenn es so kommt, dann freue ich mich tierisch und habe ein bisschen Zeit für mich oder die Wäsche oder den Hund… Ich erwarte nicht, dass der Babysohn mal länger am Stück im Bettchen schläft, damit ich mit dem Großen toben kann. Ich trage ihn solange er das möchte im Tuch und spiele mit meinem Kleinkind etwas, das auch mit Baby vor der Brust spielbar ist. Ich erwarte nicht, dass mein Großer das tut, was ich mir wünschen würde. Ich weiß, dass er seinen eigenen Kopf hat und wäge in jeder Situation ab, ob ein Verbot wirklich sein muss. Ich erwarte nicht, dass alles glatt läuft, wir es schaffen zu dritt plus Hund spazieren zu gehen oder die Wäsche am Ende des Tages gewaschen und aufgehängt ist. Die Welt geht davon nicht unter, wenn ich das alles nicht schaffe.

Und trotz aller heruntergefahrenen Erwartungen kommt immer wieder mal ein kleiner, verzweifelter Gedanke auf, ob ich denn genug exklusive Zeit für den Großen habe und genug Zeit für meinen Mann und wann ich mal was für mich machen kann. Ich bin ja schließlich auch noch da! Dann halte ich mir wieder vor Augen, dass es momentan so ist und wieder andere Zeiten kommen werden. Ich möchte die Babyzeit und Kleinkindzeit mit den beiden erleben und nicht aushalten. Ich möchte die Chance ergreifen, die Welt durch ihre Augen zu sehen, mich an den Wundern um sie herum mit ihnen zu erfreuen und im Hier und Jetzt mit ihnen leben. Das hat in meinem Kopf viel verändert.

Alles fügt sich irgendwie zusammen

Ich glaube, dass sich unser Familien-Universum nach der Ankunft des kleinen Sohnes erstmal neu austarieren musste und nun so langsam in neuen Bahnen läuft, so wie es auch bei der Ankunft unseres großen Sohnes war. Vorher waren wir zu zweit, hatten nur uns. Dann änderte sich alles, wir wurden drei und mussten unsere Plätze neu finden, unsere Aufgaben und Verantwortungen neu verteilen. Nun sind wir seit einigen Monaten zu viert und wieder ruckelt sich so langsam aber sicher alles zurecht.

Ich hatte am Anfang sehr daran zu knabbern, dass ich für den Großen nicht mehr alles bin, dass seine kleine Welt sich nicht mehr allein um mich dreht und dass er momentan eher auf Papa fliegt als auf Mama. Wenn er mich wegdrückte und Papa ihn ins Bett bringen sollte, verdrückte ich auch schon einmal eine Träne. Wir waren vorher so ein super eingespieltes Team! Nun kann ich aber unheimlich stolz auf ihn sein, dass er sich so stark in unsere neue Familienkonstellation eingefunden hat und sich das von seinem Papa nimmt, was ich ihm gerade nicht genug geben kann: exklusive Zweisamkeit.

Klar, jedes Kind soll seinen eigenen Platz haben, auch mal ungeteilte Aufmerksamkeit von Mama und Papa bekommen und ungestört gehört werden. Je mehr Kinder in einer Familie sind, desto weniger ungeteilte Zeit hat der Einzelne. Deswegen finde ich es wichtig, diese wertvolle Zeit auch gut zu nutzen: dem Kind wirklich zuzuhören, mit ihm zu fühlen und für es da zu sein. Und genauso wichtig ist es, dem Partner und sich selbst (!) Aufmerksamkeit zu schenken und sich nicht aus den Augen zu verlieren – auch das mussten wir mühsam wieder lernen. Und am Ende des Tages sitzen zwei sehr müde, aber glückliche Erwachsene auf dem Sofa und legen gelegentlich mal gemeinsam die Beine hoch.

Eure Katha


 

4 Kommentare

  1. Liebe Katharina,
    vielen Dank für die Einsichten. 🙂 Ich stelle es mir noch viel krasser vor, für beide Kinder bei dem geringen Altersabstand richtig da zu sein. Denn ein Kleinkind kann nicht warten, mein Jungs schon eher.
    Hut ab! 🙂
    Liebe Grüße
    Sarah

    • Katharina

      Ja, das mit dem Warten ist hier so eine Sache…das kann der Hund auch schlecht 🙂 Auf der einen Seite bin ich manchmal wirklich hin und hergerissen zwischen den verschiedenen Bedürfnissen und habe ein richtig schlechtes Gewissen, wenn ich nicht für jeden gleichzeitig da sein kann. Auf der anderen Seite denke ich, dass die Kinder ja damit groß werden und dafür einander haben. Hat alles so sein Für und Wider.
      Liebe Grüße

  2. Danke, es macht mir Mut über ein Geschwisterchen für unsere Tochter nachzudenken, obwohl dies in die Ferne gerückt war. Da wir noch mit dem Zurechtrücken von Paarbeziehung auf Familie zu gange sind. Die Umstellung dauert an und ich konnte mir bisher nicht vorstellen, nochmals ein solches Tief durchzugehen. Obwohl ich meiner Tochter gerne eine Schwester oder Bruder zur Seite stellen würde. Danke, für diesen tollen Beitrag, der mir gezeigt hat, es dauert Zeit. Aber mit Liebe ist es zu schaffen.

    • Katharina

      Das Leben ist voller Veränderungen. Eure Tochter wird schon einige Veränderungen mitbringen, die ihr miteinander durchstehen und begleiten müsst. Auch da ergeben sich immer mal wieder Konflikte. Ich schreibe gerade einen Artikel dazu. Wenn du magst, schau doch bald mal wieder vorbei. Ich freue mich, dass mein Artikel dir Mut machen konnte! Liebe Grüße und dir alles Gute

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.