Kennt ihr diese 5 Anzeichen des Ertrinkens?

Wir sind wieder voll im Sommer angekommen und es ist Bade- und Planschzeit! Mit Weihnachten wahrscheinlich die schönste Zeit im Jahr für unsere Kinder. Und für uns Erwachsene, denn auch wir sind im Sommer sehr viel entspannter, oder? Aber die Sommerzeit bringt auch eine unterschätzte Gefahr mit sich: Jedes Jahr sterben in Deutschland mehr als 400 Menschen durch Ertrinken. Das besonders perfide dabei ist, dass sich meist in unmittelbarer Nähe Menschen befinden, die zum Teil die Szene beobachten und sie nicht als akute Lebensbedrohung einschätzen. Denn Ertrinken sieht nicht so aus, wie wir es uns vorstellen!

Dieser Artikel soll euch keine Angst machen oder Panik verbreiten. Wasser ist toll und kann so viel Spaß machen! Aber ich finde, wir sollten die Gefahren ebenso kennen, um den Spaß genießen zu können.

Ohne Schreien, ohne Plantschen

Wenn wir Laien uns eine Gefahrensituation im Wasser vorstellen, so denken wir, dass ein Ertrinkender doch um sich schlagen, Wasser treten und schreien würde! Falsch gedacht! Diese Szenen kennen wir aus dem Fernsehen und sie haben rein gar nichts mit der Realität zu tun. Ertrinken passiert leise und wortlos, ohne Gestrampel. Das, was dann bei uns abläuft, wird nach Dr. Francesco A. Pia die instinktive Reaktion auf das Ertrinken (Instinctive Drowning Response) genannt. Wie also sollst du die Gefahr erkennen? Diese fünf Anzeichen solltest du verinnerlichen:

  1. Ertrinkende sind nicht in der Lage dazu, um Hilfe zu rufen. Instinktiv wird in der akuten Notsituation zuerst die Atmung erhalten, auf die Sprache kann nicht zurückgegriffen werden. Ein Ertrinkender schreit also nicht, weil die akute Luftnot ihn daran hindert.
  2. Beim Ertrinken befindet sich der Mund des Betroffenen die meiste Zeit unter Wasser. Wenn er die Kräfte für ein Auftauchen noch mobilisieren kann, reicht die Zeit meist nur für ein kurzes Aus- und wieder Einatmen, ein Luft schnappen. Für Schreien keine Zeit!
  3. Eine ertrinkende Person fuchtelt nicht mit den Armen und winkt auch keine Hilfe herbei. Instinktiv breiten sich die Arme zu den Seiten aus, um so den Körper vor dem Untergehen zu bewahren.
  4. Eine kontrollierte Bewegung von Armen und Beinen ist nicht möglich. Der Körper schaltet auf Automatik, alles passiert instinktiv – daher ist ebenfalls ein Herbeiwinken von Hilfe unmöglich.
  5. Der Körper eines Ertrinkenden befindet sich aufrecht im Wasser.

Auf welche Anzeichen solltest du achten?

Laut dem DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V.) hat das Ertrinken meist mit körperlicher Erschöpfung zu tun. Solltest du an einer Person unkontrollierte Bewegungen beobachten, ist das ein erstes Alarmsignal. Auch wenn du beobachtest, dass jemand vermehrt mit Mund und Nase unter Wasser abtaucht, kann das schon ein Zeichen für ein drohendes Ertrinken sein.

Sollte sich eine Person in so einer akuten Wassernotsituation befinden, so kann die Person noch in die Rettung mit einbezogen werden. Sie ist noch in der Lage dazu, Rettungsleine oder Rettungsring zu greifen und sich damit über Wasser zu halten. Keineswegs solltest du aber als Nicht-Rettungsschwimmer selbst zu der Person ins Wasser springen! Die Gefahr, von der Person selbst in Panik unter Wasser gedrückt zu werden, ist zu groß.

Weitere wichtige Anzeichen des Ertrinkens:

  • Der Kopf liegt unter Wasser und ist nach hinten geneigt, der Mund ist auf Höhe der Wasseroberfläche
  • Die Augen sind glasig und leer oder geschlossen
  • Die Haare bedecken die Stirn oder das Gesicht
  • Der Körper „steht“ im Wasser
  • Die Person versucht zu schwimmen, kommt aber nicht von der Stelle, Beine werden nicht bewegt
  • Die Person atmet schneller, panikartig und kämpft nach Luft
  • Die Person versucht sich auf den Rücken zu drehen
  • Die Person reagiert nicht auf Ansprache, antwortet nicht

Ertrinkende können sich nur 20 bis 60 Sekunden noch über Wasser halten, eine Rettung muss daher schnell erfolgen.

Sekundäres und trockenes Ertrinken

Wurde die Person gerettet, so ist die Gefahr noch nicht gebannt. Bis zu 48 Stunden nach dem Unfall kann es noch zum sogenannten sekundären Ertrinken kommen. Dabei muss es sich nicht immer um eine akute Ertrinkungssituation gehandelt haben. Schon ein von außen betrachtet eher ungefährliches Untertauchen kann zu einer solchen Situation führen, zum Beispiel wenn ein Kind beim Spielen am Meer von einer Welle erfasst wird und kurz unter Wasser gerät.

Sekundäres Ertrinken –  was ist das? Bei dem Badeunfall hat das Kind Wasser in die Lungen bekommen. Das Wasser konnnte nicht vollständig abgehustet werden und führt in der Lunge durch Entzündungsreaktionen und Ödeme zu einem gestörten Gasaustausch. Eine schnelle Behandlung ist dann unbedingt erforderlich!

Trockenes Ertrinken – was ist das? Vielleicht ist bei dem Badeunfall gar kein Wasser in die Lungen gelangt sondern in die Atemwege. Dort kann das Wasser zu Krämpfen, Atemproblemen und zum Ersticken führen.

Wichtige Anzeichen sind hier:

  • wiederholtes Husten
  • Brustschmerzen
  • Schwierigkeiten beim Atmen
  • starke Müdigkeit
  • auch Übergeben und Durchfall nach einem Badeunfall können Anzeichen sein. Bitte abklären lassen!
  • auch wenn einige Zeit nach dem Unfall keine Anzeichen auftreten und das Kind erst später Husten, Anteilnahmslosigkeit oder blaue Lippen aufweist, abklären lassen!

Je kleiner das Kind, desto genauer müssen Eltern es nach einem solchen Vorfall beobachten, denn durch die geringe Körpergröße kann es schneller zu den oben genannten Reaktionen kommen.

Was kann ich präventiv tun?

Kinder sollen und müssen das Wasser als Element kennenlernen. Panik ist hier nicht angebracht aber Eltern sollten die Gefahren kennen. Es sollte uns klar sein, dass Kinder nie unbeaufsichtigt am Wasser spielen sollten, nicht einmal für eine Minute. Kleine Kinder beugen sich häufig vornüber, um etwas im Wasser zu sehen. Ihr Körperschwerpunkt ist dann verlagert, sie können das Gleichgewicht nicht mehr halten und fallen mit dem Gesicht ins Wasser. Dann setzt die Orientierung aus und sie heben ihr Köpfchen nicht von allein aus dem Wasser. So kann ein Kind auch in der Badewanne oder im Planschbecken ertrinken!

Kinder sollten von klein auf das Wasser kennen lernen und auch mit den Gefahren vertraut gemacht werden. Dabei sollte man kindgerecht vermitteln, dass Wasser Spaß macht aber auch gefährlich sein kann und deshalb immer ein Erwachsener dabei sein muss.

Wichtig ist auch, dass die Kinder das Schwimmen erlernen, um dem Wasser nicht hilflos ausgesetzt zu sein. Laut DLRG erlernen leider immer weniger Kinder diese wichtige Fähigkeit. In vielen Schulen wird gar kein Schwimmunterricht mehr angeboten. Dabei ist es so wichtig, sich schon als Kind sicher im Wasser bewegen zu können und ein Gefühl für die Grenzen der eigenen Kräfte zu bekommen.

Baden sollte man nur an beaufsichtigten Gewässern, im Freibad oder im Gartenpool. Eine besondere Gefahr geht von Strömungen in Seen und Flüssen aus, gegen die selbst ausgebildete Rettungsschwimmer machtlos sind. Also lieber nichts riskieren!

Ich wünsche uns allen einen schönen und entspannten Sommer,

eure Katha

 

 

 

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