Attachment Parenting – was ist das eigentlich?

Überall lest ihr davon, in Elternzeitschriften, auf Internetforen, in Blogs und in den sozialen Netzwerken. Ja, vielleicht seid ihr sogar schon einer Gruppe beigetreten, die sich mit dem richtigen Weg für Attachment Parenting befasst. Aber wie es immer so ist, kocht doch jeder aus diesen Zutaten seine eigene Suppe und ihr könnt noch nicht so richtig fassen, was mit Attachment Parenting im Kern eigentlich gemeint ist. Und irgendwie seid ihr auch abgeschreckt, weil es sich total kompliziert anhört? Ist es nicht! Es ist eigentlich ganz einfach!

Attachment Parenting, oder kurz AP, ist eigentlich ganz simpel. Es ist ein Erziehungsstil, der auf Vertrauen basiert. Vertrauen in sich selbst, in die eigenen Instinkte und in die Kompetenz des Babys. Eigentlich ist es nicht mehr und nicht weniger. Der amerikanische Arzt für Kinderheilkunde William Sears hat zusammen mit seiner Frau Martha Sears das Standardwerk „Das Attachment Parenting Buch: Babys pflegen und verstehen“ geschrieben und gibt uns damit eine sehr gute Basis, den Erziehungsstil zu verstehen.

Sears beschreibt in seinem Buch die sieben „Baby Bs“, die die Basis für eine bindungsorientierte Elternschaft bilden:

Birth Bonding: Der Haut-an-Haut-Kontakt von Baby und Eltern nach der Geburt. Zum Glück wird in Krankenhäusern mittlerweile überwiegend dafür gesorgt, dass die Babys nach der Geburt Körperkontakt zur Mutter haben, auch im Falle eines Kaiserschnitts.

Breast Feeding: Das Baby zu stillen, was gleichzeitig wieder Körperkontakt beinhaltet.

Babywearing: Das Baby in Tuch oder Tragehilfe zu tragen (Körperkontakt)

Bedsharing: Gemeinsames Schlafen, was wiederum die Bindung durch Körperkontakt stärkt.

Belief in Baby´s Cries: Hier wird beschrieben, wie wichtig es ist, das Schreien und Weinen des Babys ernst zu nehmen und darauf zu reagieren.

Beware of Baby Trainers: Sich von Ratschlägen oder Programmen abzugrenzen, die darauf abzielen, das Baby trainieren zu wollen.

und Balance and Boundaries: Die Balance zwischen den Bedürfnissen aller Familienmitglieder im Gleichgewicht zu halten und eigene Grenzen zu wahren.

Nach dem Ehepaar Sears braucht es nicht immer alle diese sieben Punkte. Bindungsorientierung kann auch gelebt werden, wenn z.B. nicht gestillt wird. Sie sind sich im Klaren darüber, dass es nicht immer für jeden möglich ist, alle Punkte zu erfüllen und gehen in ihrem Buch z.B. auch auf Besonderheiten im Alltag von Alleinerziehenden ein. Unter allen Umständen müsse aber das Schreien des Babys ernst genommen und prompt darauf reagiert werden.

Ich finde diese knackigen 7 Punkte wunderbar, um einen Einstieg in Attachment Parenting zu finden und auf diesem Fundament Bindunsorientierung zu leben. Es ist ganz einfach und intuitiv, weil alle diese Punkte eigentlich das umschreiben, was uns von Natur aus mitgegeben wurde: Unsere Babys sind hilflos und auf uns angewiesen wenn sie auf die Welt kommen. Es liegt zum Beispiel in unserer Natur, sie bei uns zu tragen, bis sie immer mobiler werden und ihnen unsere Fürsorge und Pflege zuteil werden zu lassen solange sie sie brauchen. Und genauso wichtig ist es, auf die Ressourcen und die Bedürfnisse von Mutter und Vater Acht zu geben und zwischen den verschiedenen Bedürfnissen das Gleichgewicht zu halten.

Was ich wichtig finde zu unterstreichen: Nach William und Martha Sears geht es bei Attachment Parenting nicht um Stoffwindeln, windelfrei oder Wegwerfwindeln. Es geht nicht darum, ob das Baby zuhause, im Geburtshaus oder im Krankenhaus geboren wird. Es geht darum, die Nähe und den Kontakt zu seinem Kind zu suchen und zuzulassen, seine Bedürfnisse wahrzunehmen und zu stillen und eine vertrauensvolle Bindung mit ihm einzugehen – alles andere ist Beiwerk und muss zu der Familie passen. Es soll hier auch bewusst kein Lager in Kinderwagen vs. Tragetuch oder Stillen vs. Nicht-Stillen gespalten werden.

Attachment Parenting ist toll, weil es intuitiv ist. Wenn man das Buch gelesen hat, merkt man, dass dieser Erziehungsstil unheimlich frei macht. Frei, auf seine Intuition zu hören anstatt auf Erziehungsprogramme oder Außenstehende, die es immer besser wissen. Und genauso bedeutet es, dass nicht alles, was für unsere Familie richtig ist, auch für eine andere Familie der richtige Weg sein muss.

Wer jetzt Lust bekommen hat, die Basis von Attachment Parenting neu zu entdecken, dem empfehle ich, das Buch zu lesen. Bestellen könnt ihr es zum Beispiel hier:

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Eure Katha

 

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