So schnell sind wir die Windel los – Windelfrei mit 24 Monaten

Unser Sohn ist trocken, wie man so schön sagt. Was es eigentlich für uns heißt, ist, dass er tagsüber keine Windel mehr braucht. Das Ganze hat jetzt eigentlich nur zwei Tage gedauert bis das Meiste nicht mehr auf dem Boden landete. Ich will euch hier mal berichten, wie es bei uns gelaufen ist.

Das hier ist keine Anleitung!

Der Artikel soll keinen Druck machen, um das schonmal vorweg zu nehmen! Ich weiß, dass über „Töpfchentraining“, windelfrei usw. eine heiße Debatte geführt wird. Warum eigentlich? Unsere Ausscheidungen sind doch etwas ganz normales? Jeder muss Urin und Kot ausscheiden, da gibt es keinen Unterschied zwischen Groß und Klein, Männlein und Weiblein oder reich und arm. Deswegen finde ich auch, dass es uns und den Kindern gut tut, ganz entspannt mit ihnen darüber zu kommunizieren und ihnen zu begegnen.

Ich schreibe unseren Erfahrungsbericht nicht, weil ich eine Anleitung geben will, wie ihr euer Kind schnell trocken bekommt. Das ist nicht meine Absicht, weil ich denke, dass jedes Kind individuell ist und seinen ganz eigenen Rhytmus hat. Es geht nicht immer schnell, und es geht auch nicht immer sofort. Ich möchte euch aber Mut machen, auf euren Instinkt als Mama und Papa zu hören, denn ihr allein seid die Experten für eure Kinder!

Das Kind zeigt, wann es bereit ist

Schon Babys merken, wenn sie Pipi und Kaka machen. Sie können es spüren, so wie sie auch Berührungen auf ihrer Haut spüren, wie sie Bauchschmerzen spüren oder so wie sie auch spüren ob Mama oder Papa sie gerade auf den Arm nimmt. Wir kommen auf die Welt und nehmen unseren Körper wahr, mit allen Sinnen.

Babys werden auch nicht mit Windel geboren, wir ziehen sie ihnen der Einfachheit halber an. Es ist praktisch, Urin und Kot in der Windel zu „sammeln“ und dann zu entsorgen. In unserem schnelllebigen Alltag ganz sicher eine sehr gute Lösung. Schon ganz kleine Babys geben aber Signale, wenn sie Pipi oder Kaka müssen und wir können uns darauf einlassen sie zu erkennen. Mein Kleiner zum Beispiel strampelt jetzt bei dem warmen Wetter gern ohne Windel und fängt immer an zu meckern, wenn er mal muss. Zuerst war ich wirklich erstaunt, weil ich nicht dachte, dass ich die Signale erkennen könnte.

Unser Großer hat sich schon längere Zeit gegen das Wickeln gesträubt. Es gab viel Widerstand und gute Überredungskünste mussten her, um ihn auf dem Wickeltisch oder auf dem Boden oder überhaupt irgendwie wickeln zu können. Er wollte es partout nicht mehr und mir kam es zunehmend befremdlich vor, mein schon so großes und selbstständiges Kind irgendwo hinzulegen und ihm die Hose runterzuziehen, gerade wenn er es nicht wollen. Gegen seinen Willen etwas zu tun, kam mir falsch vor. Kommt euch das bekannt vor?

Wenn mir bei meinem Kind so viel Widerstand entgegen kommt, versuche ich mich in ihn hineinzuversetzen: Wie würde ich es finden, gewickelt zu werden wenn ich der Meinung wäre, ich würde genauso auf Toilette gehen wie die anderen auch? Ich halte einen respektvollen Umgang miteinander immer hoch und die Integrität meiner Kinder ist mir wichtig. So mussten wir etwas ändern. Wir warteten auf ein paar ruhige Tage und legten los.

Der erste Tag

Heute ist es also so weit! Es ist schönes Wetter, warm genug, um den Großen ohne Hose herumlaufen zu lassen und wir müssen das Haus nicht verlassen. Wichtig für eine so gravierende Umstellung ist, dem Kind Ruhe zu vermitteln und sich für den Tag nicht zu viel vorzunehmen. Ich sage meinem Sohn also liebevoll, dass er ab heute keine Windel mehr bräuchte und dass wir die Hose erstmal weglassen, damit er schneller auf das Töpfchen kann. Sollte es kälter werden, so hatten wir ein paar Stulpen griffbereit.

Ich rechne mit allem und bin irgendwie angespannt. Warum eigentlich? Was kann schlimmstenfalls passieren? Doch nur, dass unser Boden nass und/oder etwas dreckig wird…also entspanne ich mich wieder und lege Toilettenpapier, Handtücher und Wischlappen bereit. Ich beobachte mein Kind, spiele mit ihm, wir machen alles so wie sonst, nur eben er ohne Hose und Windel. Einmal landet Pipi auf dem Boden, ich hebe meinen Sohn auf das Töpfchen, wo der Rest landet und danach meldet er sich bei jedem Harndrang.

Mittags landet einmal Groß auf der Terrasse – halb so schlimm und für mein Kind richtig spannend. Wann hat er schonmal gesehen, was er da hinterlässt? Wir haben es ja immer gleich für ihn entsorgt. Zum Mittagsschlaf und vor dem Zubettgehen abends ziehen wir ihm die Windel wieder an und erklären ihm, dass er sie wieder um hat, damit er ruhig schlafen kann.

Fazit des Tages: So schlimm war es doch gar nicht! Wovor hatte ich eigentlich Angst?

Der zweite Tag

Heute bleiben wir immer noch überwiegend zuhause, mittags und nachts gibt es noch eine Schlafwindel. Alles, wirklich alles, landet im Töpfchen oder auch in der Toilette. Mein Söhnchen merkt sogar im Spiel wenn er muss und geht ohne ein Wort auf den bereitgestellten Topf.

Wir sind restlos begeistert! Bei jedem gefüllten Töpfchen darf unser Sohn uns mit auf die Toilette begleiten und alles wegspülen. Ihm gefällt das neue Ritual eindeutig besser als das Windelwechseln.

Fazit des Tages: 100% Trefferquote

Der dritte Tag

Heute machen wir schon einen kleinen Ausflug mit Hose aber ohne Unterhose. Die Unterhose sollte man anfangs noch weglassen, weil sie in der Passform zu sehr an eine Windel erinnert und die Kinder dadurch in alte Muster kommen können – das verwirrt nur. Also lassen wir sie weg. Unser Sohn geht vor dem Ausflug auf Toilette und direkt danach: Hose bleibt trocken. Ansonsten erinnern wir ihn nicht ans Pipi machen, er bemerkt jedes Mal selbst den Harndrang.

Zum Mittagsschlaf bekommt er noch eine Schlafwindel, die aber trocken bleibt. Er hat also tatsächlich im Schlaf auch angehalten. Das finde ich mal richtig stark!

Fazit des Tages: Morgen bleibt die Mittagsschlaf-Windel weg

Der vierte Tag

Heute hat der Große den ganzen Tag eine Hose an. Wir machen einen ersten größeren und längeren Ausflug ohne Windel, was total super klappt. Ein paar mal bieten wir unserem Sohn an, ihn abzuhalten. Er meint jedoch, dass er nicht muss und so lassen wir ihn. Und tatsächlich setzt er sich erst zuhause wieder von ganz allein aufs Töpfchen und macht dort Pipi.

Am Mittag gibt es dann ein kleines Malheur. Ich schätze mal, die Müdigkeit und die Eindrücke des Vormittags haben ihn kurz vergessen lassen, dass grad keine Windelzeit mehr ist. Nach den ersten Tropfen hält er an und geht aufs Töpfchen- klasse! Der Mittagsschlaf ohne Windel klappt auch richtig gut und mein Sohn meldet sich den weiteren Verlauf des Tages immer an, wenn er mal muss.

Unsere nächsten Schritte: In den nächsten Tagen warten wir ab, wie sich der Nachtschlaf verhält. Sollte die Nachtwindel ab und zu schon trocken bleiben, werden wir sie auch weglassen. Mal sehen wann es dann Zeit ist, ihm auch eine Unterhose anzuziehen. Im Moment wäre es noch nichts, da es ja auch noch eine Schicht mehr zum Ausziehen ist. Und es ist ja eh warm!

Das ging schnell!

Eigentlich war nach dem ersten Tag schon die Umstellung geschafft. Es war richtig unserem Sohn die Möglichkeit zu geben, sich auszuprobieren und unser Verhalten nachahmen zu können. Die Veränderung von Windelträger zu Töpfchengeher kann man nicht als Training bezeichnen, weil wir eigentlich nicht wirklich etwas getan haben! Wir haben unser Kind nicht „trainiert“, wie ihr lesen konntet. Wir haben die Windel weggelassen und er konnte jedes Mal frei entscheiden, was er tut und wir haben ihm dabei geholfen.

Natürlich klappt das nur, wenn das Kind körperlich in der Lage ist, Urin und Kot auch ein paar Sekunden zurückzuhalten. Uns war klar, dass unser Sohn bemerkt, wenn er muss, weil er sich zum Beispiel zum Groß machen versteckte oder sagte wenn er in seine Stoffwindel Pipi machte. Was für uns sicher nie funktioniert hätte: ihm die Windel umzulassen und ihn zu fragen ob er auf die Toilette muss. Keine Chance! Auch jetzt geht er ja auf das Töpfchen und die Toilette wenn er muss, weil er bemerkt hat, dass er sich sonst nass macht. Mit einer Windel am Po hätte er diese Notwendigkeit nicht gehabt. Wir haben ihn die ganze Zeit nicht gedrängt und nicht befragt. Er hatte die Zeit und Ruhe, sich auszuprobieren und in seinen Körper zu spüren – weil er es von Geburt an kann und wir ihm vertrauen.

Tolle Tipps und Mutmach-Texte zum Thema windelfrei bei Kleinen und Großen gibt es bei Julia und ihrem Blog Windelwissen. Schaut einfach auch mal dort vorbei, wenn ihr an eurem Kind auch ganz klare Signale bemerkt und es euch zeigt, dass es keine Windel mehr mag. Oder wenn ihr das Thema spannend findet und es vielleicht auch bei eurem Baby ausprobieren wollt.

Eure Katha

 

 

 

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