Hilfe, ich bin eine Rabenmutter!

Birgit von Muttis Nähkästchen hat zur Blogparade aufgerufen und wollte wissen, wer sich noch zum Rabenmutter-Dasein bekennt. Hey, dachte ich, gut, dass ich mit dem Gefühl, nein, mit dem Wissen, dass ich eine Rabenmutter bin, nicht alleine bin. Liebe Rabenmütter, habt Mut und outet euch!

Ich habe zwei kleine Kinder

Das allein macht mich gefühlt schon automatisch zur Rabenmutter. Wie egoistisch von mir/uns, einen so kleinen Altersabstand gewählt zu haben. Mit einem Baby und einem Kleinkind, das gerade die Autonomiephase für sich entdeckt hat, bin ich häufig zwischen den Bedürfnissen der beiden hin- und hergerissen. Ich habe ständig das Gefühl, dass einer zu kurz kommt.

Ich bin absoluter Gegner davon, Babys schreien zu lassen und gleichzeitig will ich meinen Großen so gut es geht dabei unterstützen, seine Fähigkeiten auszutesten und Dinge selbst zu machen. Und so finde ich mich häufig genug schweißgebadet mit dem Großen halsbrecherische Klettertouren auf unserer steilen Treppe absolvierend, während das Baby unten genug von seinem Mobilé hat und anfängt zu weinen. Wow, fühle ich mich dabei schlecht! Kind in seiner Autonomie unterstützt und Baby (kurz) weinen gelassen.

Mama, schau mal was ich kann! –  Ich gucke gleich, muss nur kurz das Baby hinlegen…

Andersherum geht es natürlich genauso gut schlecht: Das Baby stillt und weint sich durch den Tag, wird 24/7 herumgetragen während der Große mit seinen gerade mal 24 Monaten alleine spielen „muss“ und ich zwischen Baby ins Tragetuch wickeln, Hund auf den Platz verweisen, Suppe vorm Anbrennen retten und Wäsche sortieren noch ein „Hey, super! Du hast ja deine Socke selbst angezogen!“ hinhechel. Ich bin ein großer Fan von Achtsamkeit und scheitere häufig an dem Versuch, dem im Alltag nachzukommen.

Mein Kind geht zu einer Tagesmutter

…und das schon seit er 14 Monate alt ist. Weil ich schon wieder arbeiten war, als er gerade mal 8 Monate alt war, weil ich mir die Elternzeit mit dem Papa geteilt habe und weil ich eigentlich ganz gerne arbeiten gehe. Auch der Kleine wird zur gleichen Tagesmutter gehen, weil wir sie toll finden und weil wir überzeugt davon sind, dass sie den Bedürfnissen der Kinder gut nachkommt, weil sie ihnen vormittags das bietet, was wir manchmal nicht können: Zeit, Abwechslung, freies Spielen im Wald und Kontakt zu anderen Kindern.

Aber er ist doch noch so klein!

Ihr merkt schon an den vielen Weils, dass ich mich häufig genug rechtfertigen musste, warum mein Kind fremdbetreut wird. Mittlerweile stehe ich dazu und das macht mich in den Augen vieler anderer gefühlt zu einer echt ignoranten Rabenmutter.

Ich bin eine „Langzeit“-Still-Mama

Bevor ich ein Kind hatte, dachte ich: „Wenn es mit dem Stillen klappt, stille ich, wenn nicht, dann nicht.“ War ich naiv! Eine Mama stillt nicht einfach so intuitiv, vor allen Dingen nicht so lange, nicht so kurz, nicht so oft und vor allen Dingen am besten nicht nachts!

Du hast doch gerade gestillt. Leg ihn doch mal weg!

Langzeitstillen heißt es bei uns irgendwie schon, wenn man länger als 6 Monate stillt. Mir wurde von unterschiedlichen Seiten schon zum Abstillen geraten, bevor der Große mit 5 Monaten operiert wurde, „um es mir im Krankenhaus leichter zu machen“. Hab ich nicht gemacht, um das Ganze dem Kind nicht noch schwerer zu machen…na gut, dann sollte ich aber abstillen, damit der arme Junge mal nachts durchschlafen kann. Hab ich auch nicht gemacht. Als Antwort bekam ich von anderen Frauen Augenrollen und „Selber schuld“-Sprüche zugeworfen. Als ich dann beschloss abzustillen, tat ich es, weil ich mich nicht wohl damit fühlte und meine Milch zurück ging, da ich wieder schwanger war. Durchgeschlafen hab ich seitdem trotzdem noch nicht!

Unsere Kinder werden nicht mit Spielzeug und Süßigkeiten überhäuft

Regelmäßig boykottieren wir die Massenbeschenkung und reglementieren den Spielzeug-Zufluss. Das hat uns schon die ein oder andere Diskussion im Kreis der Familie eingehandelt. Unsere Kinder bekommen nicht alles, was es auf dem freien Markt käuflich zu erwerben gibt und wir legen, wenn wir uns für Geschenke entschieden haben, auch Wert auf die Qualität. Sind wir kompliziert!

Aber er spielt doch so schön damit!

Auch wenn der Große bei anderen Kindern super mit deren Spielzeug spielt, wollen wir nicht alles, was andere haben, selber auch zuhause rumstehen haben. Ich freue mich darüber, wenn er bei anderen Kindern andere Anreize zum Spielen findet und wenn die Kinder toll miteinander spielen. Das heißt aber nicht, dass wir genau das gleiche im Kinderzimmer haben müssen.

Bitte schenkt uns keine Schokolade. Nein, auch nicht die extra für Kinder!

Zu Weihnachten, Ostern usw. wollen wir keine Schokolade mehr geschenkt bekommen. Süßes gibt es, manchmal auch oft und wir genießen dann zusammen. Wir brauchen dafür aber keine Berge an Süßem und Schokoladenfiguren zu allen erdenklichen Anlässen, deren Produktionsumstände ich schlimm und nicht unterstützenswert finde. Entscheidung getroffen, Rabenmutter-Stempel inklusive.

Ich zähle machmal die Stunden und Minuten bis zur Bettgeh-Zeit

An manchen Tagen kann ich es echt nicht abwarten bis das große Kind im Bett ist und das Baby auch ruhiger wird. Manchmal sehne ich mich schon kurz nach dem Mittagsschlaf danach, abends die Beine von mir zu strecken und allein mit mir oder höchstens noch mit meinem Mann zu sein.

Und manchmal, wirklich nur ganz selten aber es kommt vor, bin ich auch neidisch auf Frauen ohne Kinder. Was man alles machen könnte, wieviel Zeit man plötzlich hätte! Ganz klischeemäßig sehe ich dann aber meine Beiden und weiß, dass ich sie niemals nie um nichts in der Welt eintauschen würde.

Ich habe mein Kind schon mal angemotzt

Echt! So richtig, ohne zu erklären und ohne vorher durchzuschnaufen, um dann ruhiger zu werden. Schreien, motzen, brüllen,…das alles ist nicht gut. Es ist sogar Gewalt und ich weiß es und ich lebe es auch anders vor. Meistens. Denn manchmal bin ich noch ein Mensch und das Kind macht gefährliche Sachen, weil es einfach ein Kind ist, das die Welt erforscht. Manche Forschungen machen mir dann Angst und ich motze ihn ganz instinktiv an. Ist falsch und es tut mir leid. Ich gelobe Besserung und vermute, dass es mir trotzdem nochmal passieren wird.

Ich lass‘ den Mann einfach mal machen

Jetzt kommt’s und wenn ich das jetzt schreibe, ist mein größtes Geheimnis vor meinem Mann pfutsch: Wenn ich gerade Wäsche aufhänge oder auf Toilette bin, brauche ich ab und zu mit Absicht länger, auch wenn ich schon wieder ein Kind über das Babyphone rufen höre und ich weiß, dass mein Mann in der Nähe ist. Ich weiß ja, dass er hingeht und die Kinder genauso gut beruhigen kann und ich brauche eben auch mal meine kleine Auszeit…eben auch mal im kalten Keller oder auf der Toilette…ich bin ganz schön egoistisch!

 

Fühlt sich gar nicht so schlecht an, mal alles rauslassen zu können. Macht doch mit bei der Blogparade von Muttis Nähkästchen. Ich glaube, wir sind in guter Gesellschaft.

Liebe Grüße,

eure Katha

 

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3 Kommentare

  1. Deine Schwester

    Raben sind übrigens sehr fürsorgliche Eltern!

    Und ja, das alles kenne ich so oder so ähnlich natürlich auch. Aber den Kindern scheint es ja ganz gut zu gehen und es wird was aus ihnen – also zwischendurch einfach mal Gewissen ausschalten und nicht Mama sondern Mensch sein 🙂

  2. Deine Schwester

    PS: Ich habe mich gerade heimlich aus dem Kinderzimmer in dem beide friedlich spielen geschlichen und „verstecke“ mich im Badezimmer 😀

    • Katharina

      Das finde ich genau richtig! Sowohl das Menschsein als auch das Verstecken 😉 Die Bezeichnung Rabenmutter gilt natürlich auch mit Augenzwinkern. Rabeneltern versorgen ihre Jungen sogar wenn die aus dem Nest gefallen sind. Sehr vorbildlich!

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