Wahnsinns-Mode oder der Wahnsinn mit der Mode

Was verdient eigentlich eine Näherin an einem T-shirt?

Ein T-Shirt kostet 5€, eine Jeanshose 20€, Baby-Bodies im 3er-Set gibt es für 4€…mit dem normalen Menschenverstand kann man schon, ohne zu recherchieren, verstehen, dass das nicht funktioniert. Wieviel kostet es, die Baumwolle für die Kleidung anzubauen und zu bewässern? Wieviel bezahlt man den NäherInnen? Und dann wissen wir ja auch, dass die Textilien meist nicht vor unserer Haustür hergestellt werden. Wieviel kostet es also, sie hierher zu verschiffen? Achja, die Marke selbst, die die Herstellung in Auftrag gegeben hat, verdient ja auch noch mit und der Händler, der das Teil endgültig verkauft natürlich auch.

Aus dieser, stark vereinfachten, Produktionskette ist schon ersichtlich, dass die Dumpingpreise, die für Kleidung bei großen Ketten wie Primark, H&M, C&A, Takko und anderen bezahlt werden sollen, irgendwie nicht hinhauen. Moment, aber es geht ja doch! Und zwar durch Ausbeutung an den Menschen, die auf die Arbeit angewiesen sind. Die Näherin, die irgendwo in der Mitte der Kette ist, verdient zum Beispiel an einem Tag nur etwa einen Euro. Das reicht selbst in den armen Ländern Asiens nicht zum Leben aus. Der Händler verdient an einem solchen Kleidungsstück immer noch am meisten, je nachdem wie der Endpreis am Ende aussieht.

Aber ich achte doch schon auf Bio-Baumwolle!

Viele große Modeketten wie H&M und C&A bieten vermehrt Kleidung mit Bio-Baumwolle an. Da mag man doch denken, dass das „gute“ Kleidung ist, die man vorbehaltlos kaufen kann. Dem ist leider nicht so. Schon an dem, wie sonst auch üblich, geringen Preis der Kleidungsstücke lässt sich oft erkennen, dass es eigentlich nur darum geht, Kunden zu gewinnen, die dem Bio-Hype nacheifern, jedoch weiterhin bei ihrer Kleidung auf Masse statt Klasse setzen. Bei C&A zum Beispiel werden 80% des Baumwollsortiments nur nach Organic Content Standard (OCS) bewertet. Dieser Standard bewertet jedoch „nur den Anteil biologischer Fasern in den Produkten, berücksichtigt aber keine Produktionsprozesse, Chemikalien oder soziale Kriterien“ (https://utopia.de/ratgeber/biobaumwolle-discounter-preise/). Also auch durch diese Kleidung bekommt die Näherin nicht den Lohn, den sie zum Leben braucht. Die Chemikalien, die an der Kleidung für uns oder unsere Kinder haften, mal außen vorgelassen, denn das Thema braucht einen eigenen Blogpost.

Bio ist nicht gleich Bio

 

Festhalten kann man also, dass Bio-Baumwolle nicht gleich Bio-Baumwolle ist. Je nach eingehaltenem Standard werden nur die Mindestvoraussetzungen für den Großteil der verwendeten Fasern erfüllt, manchmal ist auch nur ein Teil Bio-Baumwolle vernäht, der Rest besteht weiterhin aus konventioneller Baumwolle. Auf eine nachhaltige Produktion der Kleidungsstücke wird mitunter jedoch gar kein Wert gelegt.

Will man hingegen auf eine konsequent nachhaltige und faire Produktionskette achten, so sollte man stets auf das GOTS-Siegel bei Kleidungsstücken achten. Der Global Organic Textile Standard enthält strenge Richtlinien zur Einhaltung konsequent ökologischer und sozial verträglicher Strukturen innerhalb der ganzen Produktionskette. Diesen Standard findet man in den großen Modehäusern eher selten.

Und ab in die Tonne…

Der geringe Preis, den wir für die angesagteste Saison-Mode zahlen, schlägt sich jährlich in den Bergen von gespendeter und weggeworfener Kleidung zu Buche: Jedes Jahr werden etwa 1,5 Milliarden (1 500 000 000!!!) Kleidungsstücke von deutschen Haushalten entsorgt. Davon sind 43% noch als Second-Hand-Ware verwendbar, der Rest wird zu Putzlappen oder Dämmmaterial, oder wird im Restmüll entsorgt (http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/2010/welt-in-zahlen-kleidung-100.html). Was nichts kostet, ist auch nichts wert? Was so treffend als Wegwerf-Mode betitelt wird, ist billige Ware, die unter schlimmen Bedingungen und mit weitreichenden Folgen für Mensch und Natur hergestellt und dann massenweise konsumiert wird – aber nur eine Saison oder vielleicht auch ein ganzes Jahr lang. Dann muss der Kleiderschrank wieder geräumt werden oder die Teile sind nach wenigen Wäschen tatsächlich beschädigt. Und wer macht sich schon die Mühe, die Kleidung zu reparieren? Vor ein paar Jahrzehnten wäre dieses Konsumverhalten undenkbar gewesen! Ich will gar nicht von der guten, alten Zeit anfangen. Da war auch nicht alles gut…und gerade weil unsere Großeltern wussten, dass nicht alles gut war und was Besitz wert war, hätten sie noch brauchbare Kleidung niemals weggeschmissen sondern repariert oder für andere Zwecke weiter verwendet. Wer weiß denn noch wie man Socken stopft? Das dürften, im Vergleich zu der Zeit unserer Großeltern, noch wenige sein. Heutzutage jedoch entstehen riesige Müllberge an noch guter aber aus der Mode gekommener Kleidung. Wer sich mal anschauen mag, was auch in anderen Ländern so auf dem Müll landet, kann sich gern mal die 365 Challenge von Christina Dean auf Redress ansehen.

Was ist die Alternative?

Mittlerweile gibt es immer mehr Hersteller, die auf nachhaltige und faire Mode setzen. Was in den 70er Jahren mit besserer Qualität für Babymode begann, weitet sich nun auch auf Damen- und Herrenmode, Kinderbekleidung, Wohntextilien und vieles mehr aus: es wird vermehrt Wert darauf gelegt, dass Kleidung schonend für die Umwelt und die Menschen, die sie herstellen, produziert wird. Grüne Modefirmen sind zum Beispiel Hessnatur, Grüne Erde, Kuyichi, Bleed oder armedangels, die GOTS-zertifizierte Kleidung anbieten und zum Teil auch Mitglieder der Fair Wear Foundation sind.


Wer will schon Müll im Kleiderschrank?

 

Total teuer mögen jetzt viele schreien! Naja…es ist klar, dass die bessere Verarbeitung und die nachhaltigeren Herstellungsbedingungen auch etwas mehr kosten als die Teile bei den konventionellen Herstellern. Mit der Mentalität von Kaufen, Anziehen, Wegwerfen wird man da wahrscheinlich  nicht weit kommen. Warum braucht man aber T-shirts, Kleider, Hosen, Röcke usw. in jedem denkbaren Farbton, um sie nur mal eine Saison zu tragen? Meist hat man doch eh ein paar Lieblingsfarben, die man gern anzieht und auch einen eigenen Stil, den man immer wieder gern trägt. Je genauer man sich anschaut, wofür man sein Geld ausgibt, desto besser wird die Auswahl und frau steht am Ende nicht vor dem vollen Kleiderschrank nach dem Motto: „Ich hab überhaupt nichts anzuziehen“. Also lieber ein paar wertige Teile, über die man sich noch lange freuen kann und die mit vielem kombiniert werden können, als jedem Trend nachzueifern und am Ende das Geld doch aus dem Fenster rauszuwerfen.


Was die anderen nicht wollen, das krall‘ ich mir

Ich bin wirklich kein Mode-Muffel und ich habe früher von meinem Gehalt direkt geshoppt als wenn es kein Morgen gäbe. Mein Kleiderschrank barst regelmäßig auseinander und wurde säckeweise über die Altkleiderspende entleert. Als ich dann anfing, mir Gedanken über die Auswirkungen der ganzen Kleidungsherstellung zu machen, wollte ich das so nicht mehr. Wenn ich wirklich, wirklich, wirklich mal was haben will, was grad im Trend ist, dann hat es sich für mich bewährt nach Second-Hand Kleidung zu suchen. Für die Kinder kaufe ich eigentlich fast nur gebrauchte Kleidung. Die Kleinen wachsen echt rasend schnell aus ihren Größen und danach sehen die Teile eh noch aus wie neu!

Im Internet gibt es diverse Plattformen, die als Tausch- oder Kaufbasis für Second-Hand Ware fungieren. Schaut euch aber unbedingt die Profile und Bewertungen der Verkäufer an und prüft ob sie glaubwürdig sind! Ansonsten gibt es auch in jeder größeren Stadt Second-Hand Läden, die Damen- und Herrenmode sowie Baby- und Kinderbekleidung führen. Einige Läden haben sich sogar auf hochpreisige Markenkleidung spezialisiert, wo man tatsächlich Schnäppchen landen kann! Mir ist es wirklich egal, ob die Kleidung schon jemand angehabt hat, denn im Geschäft haben auch schon diverse Hände an den Kleidungsstücken rumgegrabbelt und die meisten Stücke wurden auch schon viele Male anprobiert. Da sind sie dann nicht einmal vorher gewaschen. Also, ab in die Wäsche und das (gebrauchte) Teil ist meins!

Wie seht ihr das mit dem Mode-Konsumverhalten? Kauft ihr auch gebraucht und öko oder seht ihr das gar nicht so eng? Verewigt euch gern in den Kommentaren.

Wenn ihr mögt, was ihr lest, dann teilt den Post doch!

Viele Grüße, eure Katha

 

 

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1 Kommentare

  1. viele meiner Freunde meinen, faire Kleidung würde das vielfache von herkömmlich produzierter Kleidung kosten (was nicht stimmt). Keiner denkt aber soweit, einfach weniger zu kaufen. Ich persönlich kaufe auch nicht nur Fairtrade Kleidung. Nachhaltigkeit unterstütze ich auch mit dem Kauf beim Second-Hand Laden.

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